Böhmen und    
             mähr...

 

Bayerischer Schülerwettbewerb 2004/05 "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn"

 

 

 

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Inhalt:

Vorwort
Organisatorisches 
allgemeine Hinweise 
aktuelle Hinweise
Kontakt 
Rückblick 
Karte und Bilder
Der Wettbewerb: 
- Altersstufe 1  
- Altersstufe 1 K 
- Altersstufe 2 
- Altersstufe 2 K 
- Altersstufe 3 
- Altersstufe 3 K 
  Altersstufe 4 
- Altersstufe 4 K
Zusatzwettbewerbe:
- Literatur 
- Musik 
- Kunst
Umsetzung:
- Altersstufe 1
- Altersstufe 2 K
 
- Altersstufe 3 K 1 
- Altersstufe 3 K 2
- Musik "Moldau" 
  Literatur:
  
- Vorbemerkungen
 
- deutschsp. Autoren
 
- tschechisc. Autoren

Links:
- Textheft + Wandzei.
- Linkliste
- Früherer Wettbewerb
 
(2002/03)

 

Der Wettbewerb:  Altersstufe 4
der Jahrgangsstufen 
10 - 13

Irrungen und Wirrungen im 20. Jahrhundert

1000 Jahre Nachbarschaft im Herzen Europas verbinden Deutsche und Tschechen. Zwischen beiden Völkern bestehen seit dem Mittelalter enge, auch wechselhafte Beziehungen. Der böhmische König war der Vornehmste unter den sieben Kurfürsten, die den Kaiser des Hl. Römischen Reiches wählten. 1355 wurde der böhmische König zum Kaiser gekrönt. Prag wurde zum politischen und kulturellen Mittelpunkt des Reiches und Böhmen erlebte unter ihm eine Blütezeit. Er gründete dort die erste deutsche Universität und das Prager Deutsch der kaiserlichen Kanzleien wurde zur Grundlage der deutschen Hochsprache. „Der Ackermann aus Böhmen“ ist eines der ersten literarischen Zeugnisse in Neuhochdeutsch. Interessanterweise ist nicht völlig klar, ob der Verfasser, Johannes von Saaz (ca. 1350 – 1414), Tscheche oder Deutscher war. Es war kein Zufall, dass der gemeinsame Kulturraum der Völker Böhmens, Mährens und Schlesiens, der Tschechen, Deutschen und Juden, so bedeutende Persönlichkeiten wie Johann Amos Comenius, Ferdinand Porsche oder Franz Kafka hervorbrachte.


Ein Porträt des gesuchten Mannes

Wie weit das Bewusstsein eines gemeinsamen Kulturraumes fortgeschritten war, beweist auch die Einladung an den Führer der tschechischen Nationalpartei als Mitglied der österreichischen Delegation an den Beratungen der Paulskirchenversammlung 1848 mitzuwirken. Dieser lehnte die Einladung allerdings freundlich, aber resolut ab, weil er den Zusammenschluss der deutschen Länder mit Österreich nicht unterstützten wollte.

1. Wie hieß dieser Mann? (Vor- und Zuname)

Umso tragischer war es, dass im 20. Jahrhundert diese Symbiose durch Geschehnisse wie der Auslöschung von Lidice und Lezaky, dem Todesmarsch von Brünn und dem Pogrom von Aussig zerstört wurde. In welche Sackgasse sich die beiden Nationen verirrt hatten, lässt sich am Schicksal der jüdischen Bevölkerung ablesen: Zuerst deutscherseits nach Theresienstadt deportiert, wurden die Überlebenden tschechischerseits wegen ihrer deutschen Sprache vertrieben. Die Irrungen und Wirrungen im 20. Jahrhundert lassen sich sowohl an den mehrfachen Grenzänderungen der Tschechoslowakei wie auch an den Bevölkerungs-verschiebungen ablesen. Der 1. Mai 2004 bedeutete einen großen historischen Moment. Nach dem Zerfall einer großen Einheit, des Habsburgerreiches, in Einzelstaaten, erfolgte mit dem Beitritt wieder ein Zusammenschluss mit der größeren Einheit Europa.

1918 entstand die Tschechoslowakei aus den Trümmern der Donaumonarchie, was zwangsläufig zu territorialen Konflikten mit bestehenden Nachbarstaaten führte. Neben Österreich, das durch den Friedensvertrag von St. Germain Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien an den neuen Staat verlor, waren noch zwei andere Staaten von Gebietsabtretungen, die auf weiteren Friedenskonferenzen beschlossen wurden,

2 a. Um welche Staaten und um welche Gebiete handelte es sich dabei?

Trotz des Einsatzes militärischer Mittel konnte von der Tschechoslowakei gegenüber einem anderen neu gegründeten Staat nur die Teilung des strittigen Gebietes erreicht werden.

2 b. Nennen Sie diesen Staat und das umstrittene Gebiet!

Innerhalb des neuen Staates blieb die Staatsgründung in der uns vertrauten Form und Abgrenzung nicht unumstritten. Dies galt besonders für die Deutschen und die Slowaken, weil die tschechischen Staatsgründer bestimmte Zusagen nicht einhielten.

3 a. Was wurde den Slowaken im Pittsburgher Vertrag versprochen?

Hinsichtlich der Stellung der deutschen Landesbewohner versicherte der tschechoslowakische Außenminister Benesch den Delegierten der Friedenskonferenz in seinem Memoire III vom Januar 1919, ein bestimmtes europäisches multinationales Land zum Vorbild zu nehmen.

3 b. Von welchem Land war hier die Rede?

Die Aussagen Benesch erwiesen sich bereits wenig später als äußerst fragwürdig, als bei friedlichen Protesten der Sudetendeutschen gegen die Einverleibung in den neuen Staat 54 Menschen durch tschechisches Militär ums Leben kamen.  

3 c. Wann fanden diese Proteste statt?

    

3 d. Die Einwohnerzahl betrug nach der Volkszählung von 1921 13,6 Millionen. Ordnen Sie den Zahlen in dem Kreisdiagramm folgende Nationalitäten richtig zu: Tschechen (und Mährer) (1), Slowaken (2), Polen (3), Magyaren (4), Ruthenen (5), Deutsche (6)!

   

Heute gibt es diese Tschechoslowakei nicht mehr. Die Tschechische Republik hat 10,3 Millionen Einwohner. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen: Tschechen und Mährer (94,4%), Slowaken (3,1%), Polen (0,6%), Deutsche (0,5%), Magyaren (0,2 %), Ruthenen ( 0,1 %), Sonstige (1,1%).  Wenn Sie diese Zahlen mit den Zahlen aus dem Kreisdiagramm der Frage 3 vergleichen, fallen Ihnen die erheblichen Unterschiede in den Bevölkerungsanteilen sofort auf.

   

4. Berechnen Sie die Veränderungen bei den einzelnen Nationalitäten gegenüber 1921 (auf zehntausend gerundet)!  

 

Ein Grund für die Veränderungen sind die wiederholten Grenzänderungen. Bereits das nationalsozialistische Deutsche Reich unter Adolf Hitler hatte in seinem Großmachtswahn eine imperialistische Neuordnung des böhmisch-mährisch-slowakischen Raumes versucht. Davon waren 1938 und 1939 besonders drei Nationalitäten betroffen.

5 a. Welches Ereignis stand 1938 für die sudetendeutschen Bewohner der Tschechoslowakei im Mittelpunkt?

5 b. Welches Ereignis stand 1939 für die tschechischen Bewohner der Tschechoslowakei im Mittelpunkt?

5 c. Welches Ereignis stand 1939 für die slowakischen Bewohner der Tschechoslowakei im Mittelpunkt?

An der imperialistischen Politik der Nationalsozialisten gegenüber der ČSR beteiligten sich auch zwei andere Nachbarstaaten.

 

6 a. Welche zwei Nachbarstaaten waren beteiligt?

6 b. Welche drei Gebiete verlor die ČSR an diese Staaten ab 1938? Zählen Sie in der zeitlichen Reihenfolge auf!

6 c. Was war dort jeweils die Sprache der Bevölkerungsmehrheit?

1939 war von dem ursprünglichen Staatsgebiet nur noch das Protektorat Böhmen-Mähren übriggeblieben. Die meisten der abgetrennten Gebiete kehrten 1945 wieder in die tschechoslowakischen Staatsgrenzen zurück.

7 a. Ein Gebiet kam unter die Souveränität eines Staates, der vor 1945 kein Nachbar der ČSR gewesen war. Welches?

7 b. Zu welchem Staat gehört es heute?

7 c. Seit 1993 sind die Tschechen keine Nachbarn dieses Staates mehr, weil sich nochmals eine territoriale Änderung vollzog. Welcher Staat entstand in diesem Gebiet 1993 neu?

30 Jahre nach der Zerschlagung der ČSR bedrohten wieder deutsche Soldaten, diesmal aus der DDR,  die Souveränität der damaligen kommunistischen CSSR. Den Anlass lieferte die CSSR selbst durch eine Reformpolitik. Diese kurze Demokratisierungsphase wird häufig mit einer Metapher bezeichnet.

8 a. Nennen Sie diese Metapher und geben Sie das Datum des Einmarsches an!

8 b. Welche drei Nachbarstaaten waren noch beteiligt?

Ein zweiter Grund für die radikal veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung ist die gewaltsame Vertreibung der deutschen und magyarischen Einwohner der damaligen Tschechoslowakei ab Mai 1945.

9 a. Wie viele Sudetendeutsche wurden aus Böhmen, Mähren und Schlesien ausgesiedelt (auf hunderttausend gerundet)?

9 b. Wie viele Karpatendeutsche wurden aus der Slowakei ausgesiedelt (auf zehntausend gerundet)?

9 c. Wie viele Magyaren wurden aus der Slowakei nach Ungarn ausgesiedelt (auf zehntausend gerundet)?

Die Begriffe Aussiedlung oder Umsiedlung suggerieren staatliche Maßnahmen zivilen logistischen Charakters. Die jüngsten Bevölkerungsverschiebungen im Kosovo, in Kroatien und Bosnien-Herzegowina demonstrierten jedoch hinlänglich, dass es sich dabei um brutale staatliche Gewaltakte gegenüber einer Zivilbevölkerung handelt. Nicht umsonst leben viele der aus diesen Gebieten Vertriebenen noch heute in Bayern. Im tschechischen Sprachgebrauch wird die Bevölkerungsverschiebung der Deutschen mit
„Odsun” (= Abschub) bezeichnet, im deutschen Sprachgebrauch hat sich dagegen der sehr viel härtere Ausdruck „Vertreibung” durchgesetzt. Das ist begreiflich, da die Vertreibung vielerorts mit großer Brutalität durchgeführt wurde und die sudetendeutsche Volksgruppe viele Todesopfer gekostet hat. Vergleichbare „Bevölkerungsverschiebungen“ gibt es weltweit bis heute.

10. Nennen Sie je ein aktuelles Beispiel aus Afrika, Asien und Südamerika mit dem Staat und   der Flüchtlings- bzw. Vertriebenenzahl (einschließlich der Binnenvertriebenen, gerundet auf die volle Million)! 

Eine Grundlage für die Vertreibung eines Drittels der Gesamtbevölkerung aus der Tschechoslowakei bildeten die so genannten Beneschdekrete von 1945. Im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt Tschechiens entfachten sie eine bis heute andauernde heftige Debatte. Dekret bedeutet soviel wie Erlass, denn unmittelbar nach dem Kriegsende gab es noch kein Parlament, um die nötigen Gesetze zu verabschieden. An die Stelle von Gesetzen traten die Dekrete des aus dem Exil zurückgekehrten ehemaligen Präsidenten Benesch, der als oberste Autorität anerkannt wurde.

11. Was beinhalten die Dekrete vom:

Ordnen Sie richtig zu!

(1) 21. Juni 1945?

(a) Entzug der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft

(2) 02. August 1945?

(b) Sicherstellung von staatlich unzuverlässigen Personen

(3) 19. September 1945?

(c) Enteignung des landwirtschaftlichen Vermögens

(4) 25. Oktober 1945?

(d) Konfiskation des deutschen u. magyarischen Vermögens

(5) 27. Oktober 1945?

(e) Arbeitspflicht

Nach wie vor ist die Vertreibung ein sensibles Thema, das in den deutsch-tschechischen Beziehungen immer wieder für Irritationen sorgt. In den 60er Jahren erschien als Grundlagenwerk die „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa“. Bemerkenswert ist, dass nun gerade ein tschechischer Historiker auch auf der Grundlage dieser Dokumentation detaillierte Analysen zur Vertreibung vorgelegt hat, die auf deutscher Seite nichts Vergleichbares haben: „Odsun Nemcu z Československa 1945-1947“ (Der Abschub der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945-1947), Praha 1991; „Tabory v českych zemich 1945-1948“ (Lager in den böhmischen Ländern 1945-1948), Ostrava 1996. Ein weiterer Titel ist bereits auf Deutsch erschienen: „Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (außerhalb der Lager und Gefängnisse)“, Wien 2002, 264 S.

12. Wie heißt dieser Historiker mit Vor- und Zunamen?

Tragen Sie nun alle Antworten auf die Fragen in das entsprechende Lösungsblatt in der Mitte des Heftes ein!

    

Sollten Sie kein Lösungsblatt haben, können Sie es hier herunterladen:

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